Ein Bild auflegen, einen Knopf drücken, eine Kopie mitnehmen: Der KI-Kopierer verbindet die vertraute Bedienung eines Fotokopierers mit generativer Künstlicher Intelligenz. Doch statt das Original möglichst unverändert zu reproduzieren, interpretiert die KI das Bild neu. So entstehen überraschende Veränderungen – und manchmal Bilder, die kaum noch an ihren Ausgangspunkt erinnern.
Ein interaktives Exponat des Instituts für KI und Bühne (IKIB).
Ein klassischer Fotokopierer soll eine Vorlage möglichst originalgetreu vervielfältigen. Beim KI-Kopierer ist das anders: Hier entsteht eine neue Bildinterpretation.
Das Besondere ist die Kopierkette. Jede normale KI-Kopie baut auf der vorherigen Kopie auf – nicht erneut auf dem ursprünglichen Bild. Eine kleine Veränderung kann dadurch in der nächsten Generation übernommen, verstärkt oder wieder verändert werden.
Original → KI-Kopie 1 → KI-Kopie 2 → KI-Kopie 3 → …
Was zunächst wie eine einfache Kopie aussieht, entwickelt über mehrere Generationen eine eigene Bildgeschichte.
Am Potsdamer Platz lässt sich beobachten, wie die KI ein bekanntes Stadtmotiv Schritt für Schritt neu interpretiert. Einzelne Details, Farben, Formen können sich verändern. Mit jeder weiteren Generation wird das Ergebnis erneut zum Ausgangspunkt.

Potsdamer Platz: das Ausgangsbild der Kopierkette.

Eine frühe Generation: Welche Merkmale sind erhalten geblieben, welche wurden verändert?

Eine spätere Generation: Die Veränderungen aus vorherigen Kopien können sich fortsetzen.
Zum Mitdenken: Ab welcher Generation würdest du das Bild nicht mehr als Kopie des ursprünglichen Potsdamer Platzes erkennen?
So wird ein sonst weitgehend unsichtbarer Prozess zu einem Erlebnis, das man unmittelbar beobachten und in den Händen halten kann.
Bei jeder neuen KI-Generation können Details verloren gehen, neu hinzukommen oder anders interpretiert werden. Über mehrere Schritte verändern sich beispielsweise Farben, Licht, Objekte, Stil und Bildaufbau. Diese schrittweise Verschiebung nennen wir hier Drift.
Der KI-Kopierer zeigt damit anschaulich, dass generative KI keine neutrale Kopiermaschine ist: Ihre Ergebnisse sind Interpretationen, keine exakten Abbilder.
Die Bilder lassen sich auch rechnerisch miteinander vergleichen. Eine Ähnlichkeitsanzeige beschreibt, wie nah eine KI-Kopie dem Ausgangsbild nach einem bestimmten Bildvergleichsverfahren noch ist. Hohe Werte stehen für größere rechnerische Ähnlichkeit, niedrigere Werte für stärkere Abweichungen.
Ein solcher Wert ist allerdings kein objektives Maß dafür, ob Menschen zwei Bilder als gleich empfinden. Gerade deshalb lohnt sich der direkte Blick auf die Bildfolge.
NORMAL – die Kopierkette: Jede neue Kopie entsteht aus der vorherigen. Veränderungen können sich über mehrere Generationen aufbauen.
CRAZY – die freie Interpretation: Die KI erhält mehr Spielraum, das Bild deutlich stärker zu verändern. Anders als im normalen Modus beginnt jede Crazy Copy wieder beim Original und setzt die Kopierkette nicht fort.
Zum Mitdenken: Wer kann das Originalbild erraten?
Nicht jedes Motiv verändert sich auf dieselbe Weise. Bei einem zweiten oder dritten Beispiel lässt sich entdecken, welche Bildmerkmale erhalten bleiben und welche besonders schnell neu interpretiert werden.


Vom Original zur KI-Interpretation: Was fällt dir zuerst auf?


Der KI-Kopierer ist mehr als eine ungewöhnliche Druckmaschine. Er lädt dazu ein, sich mit Fragen zu beschäftigen, die beim Einsatz generativer KI oft im Hintergrund bleiben: Was bedeutet Originaltreue? Wie entstehen Veränderungen? Was passiert, wenn KI-generierte Inhalte selbst wieder zur Grundlage neuer KI-Inhalte werden? Und wie können wir ihre Herkunft nachvollziehbar machen?
Die bekannte Geste des Kopierens macht diese Fragen ohne technische Vorkenntnisse zugänglich – durch Ausprobieren, Vergleichen und Staunen.
Das Institut für KI und Bühne e. V. (IKIB) lebt von kreativen Ideen, engagierten Menschen und der Unterstützung durch Partner und Förderer.
Sie möchten unsere Projekte unterstützen, eigene Ideen einbringen oder innovative Formate an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Kunst und Kultur ermöglichen? Wir freuen uns über Ihre Unterstützung – ob durch eine Spende, eine Kooperation oder persönliches Engagement.
Für das Felicia Festival und weitere IKIB-Veranstaltungen stellen wir gerne individuelle Sponsoringpakete zusammen. Selbstverständlich können wir für Ihre finanzielle Unterstützung auch Spendenquittungen ausstellen.
Kontaktieren Sie uns gerne: info@ikib.ai
Kontoinhaber: Institut für KI und Bühne e. V.
IBAN: DE97 8306 5408 0006 8546 48
BIC: GENODEF1SLR
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen neue Ideen auf die Bühne zu bringen.